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  • 02 Kapiteltext
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      02 Kapiteltext
      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      2.1 Vom Bedürfnis zur Nachfrage der Kund*innen

      Ausgangspunkt jeder wirtschaftlichen Tätigkeit sind (unerfüllte) Wünsche des Menschen, welche in der Betriebswirtschaftslehre Bedürfnisse genannt werden. Ein Bedürfnis ist das Gefühl eines Mangels und der Wunsch, diesen Mangelzustand zu beheben. Ein solcher Mangel kann objektiv tatsächlich vorhanden sein (z.B. eine Person friert ohne Jacke im Winter draussen) oder nur subjektiv empfunden werden (z.B. eine Person glaubt, zu wenig Anerkennung von Mitmenschen zu erhalten). Die Behebung dieses Mangelzustands stiftet einen Nutzen.

      Menschen haben zahlreiche und auch immer neue Bedürfnisse. Den (fast) unbegrenzten Bedürfnissen stehen auf der Erde – im Gegensatz zu Wunschwelten wie dem Paradies oder dem Schlaraffenland – begrenzte Ressourcen gegenüber (Knappheitsproblem). Es ist den Menschen aufgrund beschränkter Mittel nicht möglich, alle Bedürfnisse zu befriedigen, oder zumindest nicht zeitgleich. Denn ein Bedürfnis muss, um es befriedigen zu können, normalerweise mit Kaufkraft ausgestattet sein. Bedürfnisse, die mit Kaufkraft ausgestattet sind, stellen einen Bedarf an Gütern dar, welcher am Markt zu einer Nachfrage führt. Die Menschen, welche auf dem Markt auftreten, werden als Kund*innen eines Unternehmens, als Konsument*innen oder als Nachfrager*innen bezeichnet.

      Beispiel Fahrrad – Priorisierung der Bedürfnisse

      Max Meier hat ein Einkommen von CHF 5'000 pro Monat. Nach Deckung der Wohnungsmiete und der Essenskosten verbleiben ihm noch CHF 2'000. Damit kann er entweder ein Fahrrad oder eine Ferienreise finanzieren. Max Meier entscheidet sich für das Fahrrad, weil der Mangel an Mobilität grösser ist als der Mangel an Erholung. Letztgenannter kann also nicht behoben werden respektive dessen Behebung muss auf den Folgemonat aufgeschoben werden.

      2.1.1 Bedürfnisse nach deren Dringlichkeit

      Aufgrund der unzähligen Bedürfnisse und der beschränkten Kaufkraft müssen Menschen bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse eine Priorisierung vornehmen. Die zahlreichen Bedürfnisse können gruppiert und in eine Rangfolge gebracht werden. Es können grundsätzlich Existenz-, Kultur- und Luxusbedürfnisse unterschieden werden.

      Bedürfniskategorie Erläuterung Beispiele
      Existenzbedürfnisse Dienen der Selbsterhaltung und müssen deshalb zuerst befriedigt werden. Nahrung, wärmende Kleidung, Unterkunft
      Kulturbedürfnisse  Sind zwar nicht existenznotwendig, aber notwendig, um am sozialen und kulturellen Leben zu partizipieren. Deren Befriedigung gehört zum allgemeinen Lebensstandard einer bestimmten Gesellschaft. Sie machen das Leben lebenswert und vermitteln so etwas wie Menschenwürde. Bildung, Mobilität, Kino
      Luxusbedürfnisse Bestehen v.a., um sich von anderen Menschen abzuheben oder sich selbst zu verwirklichen. Deren Befriedigung erfordert in der Regel ein hohes Einkommen. Jacht, Ferienhaus, Luxusuhr
      Tabelle 2.1: Kategorisierung von Bedürfnissen nach deren Dringlichkeit

      Ob es sich bei einem bestimmten Bedürfnis um ein Existenz-, Kultur- oder Luxusbedürfnis handelt, ist nicht immer eindeutig. Dies hängt vom näheren Umfeld (Bekanntschaften) und weiteren Umfeld (Wohnland), dem Zeitpunkt und den persönlichen Wertvorstellungen ab. Viele Bedürfnisse, welche in gegenwärtig reicheren Ländern vor 100 Jahren zu den Luxusbedürfnissen gehörten, sind heute Kulturbedürfnisse. In ärmeren Ländern hingegen sind diese immer noch Luxusbedürfnisse (z.B. ein Hochschulstudium).

      Maslow hat eine noch etwas detailliertere Kategorisierung der Bedürfnisse vorgenommen. Sie besagt, dass erst wenn Bedürfnisse einer unteren Stufe weitgehend befriedigt sind, der Mensch die Befriedigung von Bedürfnissen der nächsthöheren Stufe anstrebt. Oder anders formuliert: Ein auf einer höheren Stufe gelegenes Bedürfnis wird für einen Menschen erst bedeutsam, wenn ein auf einer tieferen Stufe gelegenes Bedürfnis annähernd (aber nicht zwingend vollständig) befriedigt ist.

      Bedürfniskategorie Erläuterung Beispiele
      1. Physiologische Bedürfnisse Es geht um den gegenwärtigen Erhalt des menschlichen Lebens.
      • Sauerstoff
      • Wasser
      • Nahrung
      • Witterungsschutz
      • Schlaf
      • Fortpflanzung
      2. Sicherheitsbedürfnisse Es geht um die gegenwärtige körperliche und geistige Integrität, jedoch auch um die Absicherung des zukünftigen Erhalts des menschlichen Lebens.
      • Schutz vor Verletzungen
        (Gesetze und Polizei)
      • Enkommensabsicherung
        (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung);
      • Absicherung der Gesundheit (Unfall- und Krankenversicherung)
      3. Soziale Bedürfnisse Es geht um die Zugehörigkeit zu und um Geborgenheit in einer Gemeinschaft.
      • Kommunikation
      • gegenseitige Unterstützung, Beziehung
      • Liebe
      4. Wertschätzungsbedürfnisse Es geht um die Achtung der eigenen Person durch sich selbst, aber auch durch andere Menschen.
      • Gefühl, für die Welt nützlich zu sein
      • Stärke
      • Reputation
      • Prestige
      • Anerkennung
      • Status
      5. Selbstverwirklichungs-bedürfnisse Es geht um das Ausschöpfen des eigenen Potenzials, die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Fähigkeiten sowie die eigene Lebensgestaltung.
      • Talententfaltung
        (z.B. im Sport, in der Kunst) 
      • Unabhängigkeit
      Tabelle 2.2: Maslowsche Bedürfnishierarchie (Maslow, 1943; übersetzt aus dem Englischen durch Daniel Steingruber)

      Die physiologischen Bedürfnisse und die Sicherheitsbedürfnisse können unter dem Begriff Existenzbedürfnisse zusammengefasst werden. Die sozialen Bedürfnisse können auch als Kulturbedürfnisse (Teilhabe am kulturellen Leben) bezeichnet werden. Die Wertschätzungs- und Selbstverwirklichungsbedürfnisse können mit den Luxusbedürfnissen gleichgesetzt werden.

      Die Kenntnisse der Bedürfniskategorien nach Maslow dienen einem Unternehmen intern der passenden Führung der Mitarbeitenden (siehe Tabelle 34.3 Anwendung Maslows Bedürfniskategorien auf Mitarbeitende) und extern der passenden Gestaltung der Produkte für die Kund*innen, um diesen einen möglichst hohen Nutzen zu stiften (siehe Tabelle 20.2 Komponenten des Produktnutzens).

      Beispiel Fahrradunternehmen – Bedürfniskategorien

      Welche Bedürfniskategorien das Fahrradunternehmen mit der Bereitstellung eines Fahrrads für seine Kund*innen adressiert, hängt stark von den Kund*innen und vom Einsatzzweck, aber auch von der konkreten Ausgestaltung des Fahrrads ab. Wenn das Fahrrad genutzt wird, um

      • als Fahrradkurier ein Einkommen zu erzielen, dient dieses eher der Deckung physiologischer Bedürfnisse.
      • sich fit zu halten, dient dieses eher einem Sicherheitsbedürfnis (Erhaltung der Gesundheit).
      • sich mit Freunden zu treffen oder mit Freunden eine gemeinsame Fahrradtour zu unternehmen, dient dieses eher sozialen Bedürfnissen.
      • dank dem wunderschönen Design die Blicke der Passanten auf sich zu ziehen, dient dieses eher einem Wertschätzungsbedürfnis.
      • an einem Tag seine Grenzen auszuloten und so viele Höhenmeter zu erklimmen, wie der Mount Everest hoch ist (sogenanntes «Everesting»), dient dieses der Selbstverwirklichung.

      Bei der Gestaltung des Fahrrads kann dem Bedürfnis nach Sicherheit besonders Rechnung getragen werden, wenn das Fahrrad mit guten Bremsen und Reifen sowie gutem Licht und Reflektoren ausgestattet wird, wodurch Verkehrsunfälle vermindert werden. Zudem kann durch ein ausgefallenes Design und die Montage der besten Komponenten dem Bedürfnis nach Wertschätzung Rechnung getragen werden, weil die Eigentümer*in des Fahrrads von ihren Mitmenschen Beachtung geschenkt bekommt.

      2.1.2 Bedürfnisse nach deren Trägern, Gegenständlichkeit und Bewusstsein

      Eine weitere Möglichkeit zur Unterscheidung von Bedürfnissen ist jene nach den Trägern.

      Bedürfnisträger Erläuterung Beispiele
      Individualbedürfnisse Bedürfnisse, die eine einzelne Person aufgrund ihrer eigenen Entscheidung befriedigen kann.
      • Kauf eines Fahrrads 
      • Kauf eines Notebooks
      Kollektivbedürfnisse Bedürfnisse, deren Befriedigung von der Entscheidung einer ganzen Gemeinschaft abhängt.
      • Bau einer Schule
      • Bau einer Strasse
      Tabelle 2.3: Kategorisierung von Bedürfnissen nach deren Trägern

      Bedürfnisse können zudem auch danach unterschieden werden, ob sie auf Gegenstände oder auf Immaterielles abzielen.

      Gegenstand Erläuterung Beispiele
      Materielle Bedürfnisse Bedürfnisse, welche auf Gegenstände abzielen, welche anfassbar sind.
      • Fahrrad
      • Notebooks
      Immaterielle Bedürfnisse Bedürfnisse, welche auf immaterielle Güter abzielen, welche nicht anfassbar sind und zur Befriedigung des geistigen oder emotionalen Bereichs dienen.
      • geistiges oder körperliches Wohlbefinden
      • Geborgenheit
      Tabelle 2.4: Kategorisierung von Bedürfnissen nach Gegenständlichkeit

      Eine weitere Möglichkeit zur Klassifizierung von Bedürfnissen ist jene nach offenen und latenten Bedürfnissen. Während die Bedürfnisträger*innen ihre offenen Bedürfnisse bewusst wahrnehmen, stellen latente Bedürfnisse unbewusste Wünsche dar, welche durch Unternehmen mit Marketingaktivitäten geweckt und damit in offene Bedürfnisse überführt werden. Bedürfnisse können also nicht nur in der Natur des Menschen wurzeln, sondern auch von der ihn umgebenden Gesellschaft, u.a. auch von Unternehmen, beeinflusst werden. Luhmann (2005, S. 261) formuliert extrem:

      «Die Wirtschaft folgt nicht einer immanenten Logik des Bedarfs,
      sondern der Bedarf einer immanenten Logik der Wirtschaft.»

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      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      2.2 Wirtschaftliche Güter als Angebot der Unternehmen

      Um die Bedürfnisse zu befriedigen, werden Güter benötigt. Die Güter stellen sozusagen die Lösung des Problems dar. Sie dienen dazu, den vorliegenden Mangelzustand zu beseitigen oder zu mildern. Die einzelnen Güter können nach verschiedenen Kriterien kategorisiert werden.

      Nach Verfügbarkeit: Güter können reichlich verfügbar oder knapp sein. Nicht knappe Güter zeichnen sich dadurch aus, dass deren verfügbare Menge grösser ist als zur Befriedigung aller vorliegenden Bedürfnisse erforderlich (z.B. frische Luft in den Bergen). Bei solchen Gütern besteht also kein Mangel, weshalb kein Mensch bereit wäre, für sie zu bezahlen. Diese werden als freie Güter bezeichnet und haben keinen Preis. Deren Bereitstellung ist für Unternehmen deshalb nicht attraktiv und sie werden nicht «bewirtschaftet». Demgegenüber sind Menschen für knappe Güter, bei denen die verfügbare Menge kleiner ist als zur Befriedigung aller vorliegenden Bedürfnisse erforderlich, bereit etwas zu bezahlen (z.B. Fahrräder). Solche Güter werden wirtschaftliche Güter genannt und sind für Unternehmen von besonderem Interesse. Ob es sich bei einem Gut um ein freies oder um ein wirtschaftliches Gut handelt, hängt jedoch von den Umständen respektive der Knappheitssituation ab und kann nur situativ, d.h. zeitlich und räumlich gebunden, beantwortet werden. Während sauberes Trinkwasser in der Schweiz aus dem Hahn bezogen werden kann, muss solches in anderen Ländern in PET-Flaschen gekauft werden. Die wirtschaftlichen Güter lassen sich basierend auf ihren Merkmalen in weitere Kategorien einteilen.

      Nach Gegenständlichkeit: Eine Unterscheidung ist anhand des Kriteriums der Anfassbarkeit möglich. Materielle Güter, welche auch als Sachgüter oder Waren bezeichnet werden, können angefasst und auch gelagert werden. Demgegenüber können immaterielle Güter nicht angefasst werden und kommen in zwei Ausprägungen vor, und zwar als Dienstleistungen (z.B. Ernährungsberatung) oder als Rechte (z.B. Patent, Lizenz). Rechte erlaubt dessen/deren Besitzer*in von Gesetzes wegen ein bestimmtes Gut zu produzieren oder zu verkaufen. Mit einer Lizenz sichert sich dessen/deren Käufer*in das Recht auf die Nutzung von etwas. Mit dem Patent erwirbt der/die Käufer*in das Recht, eine Erfindung zu nutzen (z.B. Herstellung eines Impfstoffs). Das Thema Lizenzen wird im Kapitel 8.3 Erscheinungsformen (von Kooperationen und Verbindungen) und das Thema Patent wird im Kapitel 18.7.2 Instrumente des Innovationsschutzes weiter vertieft. Dienstleistungen können auch als «Services» bezeichnet werden und zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht anfassbar sind und ihre Erstellung/Erzeugung in der Regel zeitgleich mit ihrem Verbrauch erfolgt und sie deshalb in der Regel nicht lagerbar sind (z.B. Versicherungsschutz, Vermögensberatung, Kleiderhandel).

      Nach Verwendungszweck: Im Bereich der materiellen Güter lassen sich zwei Güterarten unterscheiden, und zwar nach dem Kriterium, ob sie direkt oder indirekt ein menschliches Bedürfnis befriedigen, respektive nach deren Verwendungszweck. Güter, welche direkt ein menschliches Bedürfnis befriedigen (z.B. private Kleider, privates Fahrrad) werden als Konsumgüter (auch Outputgüter oder Ausbringungsgüter) bezeichnet, weil sie dem unmittelbaren Konsum dienen. Demgegenüber dienen Produktionsgüter (auch als Inputgüter oder Einsatzgüter bezeichnet) (z.B. Gebäude, Maschinen, Arbeitskleider, Rohmaterial) nachgelagerten Produktionsprozessen, an deren Ende dann ebenfalls Konsumgüter oder eine Dienstleistung stehen. Konsumgüter können auch als B2C-Geschäft und Produktionsgüter als B2B-Geschäft bezeichnet werden, weil bei Ersterem ein Kontakt zwischen einem Unternehmen und einem privaten Haushalt respektive (End)-Konsument*innen besteht (also Business to Consumer) und bei Zweiterem ein Kontakt zwischen zwei Unternehmen (also Business to Business).

      Nach Nutzungsanzahl: Konsum- und Produktionsgüter können entweder einmal oder mehrmals genutzt werden. Konsumgüter, welche nur einmal genutzt und damit verbraucht werden, heissen Verbrauchsgüter (z.B. Benzin für eine private Autofahrt). Demgegenüber werden Konsumgüter, welche mehrmals gebraucht und damit wiederholt genutzt werden können, als Gebrauchsgüter bezeichnet (z.B. Privatauto). Eine analoge Unterscheidung gibt es auch bei den Produktionsgütern (zurückgehend auf Heinen, 1983). Güter, welche im Produktionsprozess endgültig verbraucht werden und somit immer wieder – also repetitiv – beschafft werden müssen, heissen Repetierfaktoren oder Werkstoffe. Demgegenüber werden Güter, welche im Produktionsprozess nicht aufgezehrt werden – also das «Potenzial» haben, mehrfach eingesetzt zu werden –, als Potenzialfaktoren oder Betriebsmittel/Investitionsgüter bezeichnet.

      Die folgende Illustration zeigt die verschiedenen Kategorien von Gütern nochmals in der Übersicht.

      Abbildung 2.1: Kategorisierung von Gütern

      Beispiel Fahrradunternehmen – Güterkategorien

      Wenn das Fahrradunternehmen CycMa seine Fahrräder

      • an Privatpersonen verkauft, welche das Fahrrad zu nicht kommerziellen Zwecken nutzen (z.B. ins Schwimmbad fahren), dann stellt das Fahrrad ein Konsumgut dar.
      • einem Fahrradkurierdienst-Unternehmen verkauft, dann stellen diese Fahrräder Investitionsgüter dar.
      • einem Fahrradkurierdienst-Unternehmen oder Privatpersonen lediglich vermietet, diese auch repariert und wartet sowie darüber hinaus Fahrradtechniktrainings anbietet, dann handelt es sich um Dienstleistungen.
      • weiterentwickelt, d.h. einen neuen innovativen Rahmen entwirft und diesen patentieren lässt und das Patent anschliessend verkauft, dann handelt es sich um ein Recht.

      Je nach Art der Güter, welche ein Unternehmen herstellt, gestalten sich u.a. die Lagerhaltung, Vermarktung und Distribution anders. Verbrauchsgüter, welche immer wieder gekauft werden, werden eher über Absatzmittler (z.B. Detailhandel) den Endkonsument*innen verkauft. Demgegenüber werden Investitionsgüter, welche seltener gekauft werden und tendenziell mehr Beratung erfordern, eher direkt einem Unternehmen verkauft.

      Die bisher beschriebenen Güterarten sind private Güter, welche also von einzelnen Personen oder Unternehmen gekauft werden. Daneben gibt es auch sogenannte öffentliche Güter respektive Kollektivgüter. Diese sind als Antwort von Unternehmen auf Kollektivbedürfnisse zu sehen. Für solche Güter gibt es keinen existierenden Markt, weil Personen von der Nutzung des Gutes nicht ausgeschlossen werden können (sogenannte Nicht-Ausschliessbarkeit) und dieses Gut zeitgleich von verschiedenen Individuen genutzt werden kann (sogenannte Nicht-Rivalität). Beispiel für öffentliche Güter sind Landesverteidigung, Deichbau, Strassenbeleuchtung oder der Rechtsstaat. Damit öffentliche Güter dennoch hergestellt werden, stellt der Staat diese entweder selbst her oder kauft diese bei Unternehmen ein.

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      2.3 Herstellung wirtschaftlicher Güter

      Bevor Unternehmen mit der Herstellung von Gütern beginnen können, ist es zuerst notwendig, verschiedene sogenannte Produktionsfaktoren zu beschaffen. Bei der Herstellung werden diese richtig kombiniert und in einem wertschöpferischen und möglichst effizienten Prozess zu einem Gut umgewandelt.

      2.3.1 Produktionsfaktoren als Voraussetzung

      Für die Gütererstellung benötigen Unternehmen verschiedene Mittel und Rohstoffe. Sie bilden sozusagen die Voraussetzung für den Gütererstellungsprozess und werden auch als Inputfaktoren oder betriebswirtschaftliche Produktionsfaktoren bezeichnet. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die einzelnen Faktoren und deren Merkmale.

       Zum Lernvideo

      Quellenangabe zur Abbildung im Lernvideo: In starker Anlehnung an Gutenberg, E. (1983). Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre – Band 1. Die Produktion. 5. Auflage. Berlin: Springer. Weiterentwickelte Darstellungsweise und begriffliche Vereinfachung durch Daniel Steingruber.

      Abbildung 2.2: Betriebswirtschaftliche Produktionsfaktoren (Gutenberg, 1983)

      Diese Systematik ist vor allem auf die Herstellung von Sachgütern ausgerichtet. Sie hat aber auch für die Erbringung von Dienstleistungen grösstenteils ihre Gültigkeit.

      2.3.2 Wertschöpfung und Gewinnstreben als Ziel

      Die beschriebenen Produktionsfaktoren müssen vom Unternehmen auf unterschiedlichen Märkten beschafft werden. So werden die Mitarbeitenden für die leitenden und ausführenden Arbeiten auf dem Arbeitsmarkt gesucht, die finanziellen Mittel für die Betriebsmittel auf dem Kapitalmarkt besorgt und die Werkstoffe und Betriebsmittel auf dem Gütermarkt beschafft. Die Beschaffung der einzelnen Produktionsfaktoren hat zudem in der erforderlichen Qualität, in der erforderlichen Menge und zum richtigen Zeitpunkt zu erfolgen. Die beschafften Produktionsfaktoren stiften den Kund*innen in der vorliegenden Form aber keinen oder kaum einen Nutzen (z.B. lässt sich mit einem Klumpen Carbon und einem unmontierten Sattel nicht Rad fahren). Kern der unternehmerischen Tätigkeit ist es nun, die Werkstoffe mithilfe der Betriebsmittel und der menschlichen Arbeitskraft (Input) zu einem besseren, Nutzen stiftenden und damit absatzreifen Gut (Output) zu verarbeiten (Prozess). Dieser Prozess wird auch als «Transformationsprozess» bezeichnet, weil die Produktionsfaktoren in diesem Prozess transformiert, also umgewandelt, umgeformt oder umgestaltet werden. Dadurch entsteht für die Kund*innen gegenüber der vorherigen Situation ein «Mehr-Wert» respektive es werden für die Kund*innen «Wert geschöpft» (sogenannte Wertschöpfung). Der Nutzen, den die Kund*innen aus diesem neuen Gut ziehen, ist gestiegen. Dies führt dazu, dass die Kund*innen mehr zu zahlen bereit sind, als die einzelnen Produktionsfaktoren an Wert besitzen. Die Zahlungsbereitschaft der Kund*innen wird durch diesen Transformationsprozess der Produktionsfaktoren also erhöht. Die Zahlungsbereitschaft wird im Kapitel 21.2.3 Kund*innen- / Nachfrageorientierung vertieft.

      Begriffe
      INPUT
      PROZESS
      OUTPUT
      Beschreibung Die Produktionsfaktoren bilden die Voraussetzung. Sie müssen bei Lieferant*innen auf sogenannten Beschaffungsmärkten in der richtigen Menge, der richtigen Qualität und zum richtigen Zeitpunkt beschafft werden. In verschiedenen Schritten wird eine Kombination von Produktionsfaktoren im Unternehmen transformiert, wodurch Wertschöpfung entsteht. Daraus entstehen wirtschaftliche Güter, welche auf dem Absatzmarkt den Kund*innen angeboten werden.
      Beispiel
      (stark vereinfacht)
      Verschiedene Werkstoffe wie Carbon und Sattel, Betriebsmittel wie Fabrik sowie Schweissgerät und Schraubenzieher müssen beschafft und die Montagearbeiter*innen und ein*e Abteilungsleiter*in eingestellt werden. Der Abteilungsleiter oder die Abteilungsleiterin disponiert die Montagearbeiter*innen. Diese führen die verschiedenen Arbeiten aus. Eine Montagearbeiterin verarbeitet das Carbon mit dem Schweissgerät zu Rahmen und eine andere montiert die Sättel und verpackt die Fahrräder. Daraus resultiert ein fahrbereites, schnelles und leichtes Carbon-Fahrrad, welches via Onlineshop Fahrradliebhabern zum Kauf angeboten wird.
      Tabelle 2.5: Transformation der Produktionsfaktoren zu wirtschaftlichen Gütern

      Der Wert, welcher in diesem Transformationsprozess geschaffen wird, kann quantifiziert werden. Die Differenz aus dem Verkaufspreis und den eingesetzten Vorleistungen ergeben die Wertschöpfung. Eine Vorleistung stellt dabei nur ein Gut dar, welches in seinem Ursprungszustand schon einen Eigenwert hat. Dazu zählen Rohstoffe, Montageteile und Hilfsstoffe. Nicht dazu zählt der Wert der ausführenden und leitenden Arbeit sowie der Betriebsmittel, weil mit diesen Faktoren zu diesem Zeitpunkt noch keine Leistung erbracht wurde. Dies erfolgt dann erst im eigentlichen Prozess.

      Beispiel Fahrradunternehmen – Wertschöpfung

      Element Beispiel Betrag
      Verkaufserlös Fahrrad CHF 4'000
      − Vorleistungen Carbon, Sattel etc. CHF 500
      = Wertschöpfung Transformationsprozess CHF 3'500
      Tabelle 2.6: Wertschöpfung
      Die erzielte Wertschöpfung dient dazu, die am Transformationsprozess direkt oder indirekt Beteiligten für ihre Leistung zu entschädigen. Dazu gehören:
      Beteiligte Leistung Entschädigung
      Versorger*innen (Wasser, Energie, Büromaterial etc.) Bereitstellung von Betriebsstoffen Bezahlung
      Fremdkapitalgeber*innen Bereitstellung von Kapital
      • zum Kauf oder zur Miete der (materiellen) Betriebsmittel/Investitionsgüter und
      • zur Überbrückungsfinanzierung zwischen Ausgaben (z.B. für Werkstoffe, ausführende und leitende Arbeiten) und späteren Einnahmen
      Zinsen
      Vermieter*innen Bereitstellung von Gebäuden/Räumlichkeiten und Land/Grundstück Mietzinsen
      Pachtzinsen
      Lizenzgeber*innen Patentgeber*innen Bereitstellung der Rechte zur Nutzung von Wissen Lizenzgebühren
      Patentgebühren
      Arbeitnehmer*innen Erbringung von ausführenden oder leitenden Arbeiten Lohn
      Staat Bereitstellung von Kollektivgütern wie Infrastruktur (z.B. Stromnetz, Schienen) und Sicherheit (z.B. Gerichte, Polizei) Steuern
      Tabelle 2.7: Verteilung der Wertschöpfung

      Was nach der Verteilung der Wertschöpfung respektive der Entschädigung der an der Wertschöpfung Beteiligten verbleibt, kann als (Rein-)Gewinn bezeichnet werden. Für das längerfristige Überleben muss ein Unternehmen Gewinne erzielen. Ein Gewinn wird erzielt, wenn in einer bestimmten Periode (meistens innerhalb eines Jahres) die Erträge aus dem Verkauf der Güter grösser sind als die Aufwände, welche bei der Erstellung des Gutes entstanden sind. Auf die Frage, ob der Gewinn maximiert werden soll oder welche Nebenbedingungen bei der Gewinnerzielung zu beachten sind, wird in der Abbildung 3.3 Vermittlungsmodelle der Wirtschaftsethik eingegangen.

      Abbildung 2.3: Vereinfachte Erfolgsrechnung

      Die Eigenkapitalgeber*innen als Eigentümer*innen des Unternehmens sind bisher die einzigen Beteiligten, welche für ihre Leistung noch nicht entschädigt wurden. Der erzielte Gewinn dient demnach dazu, diese für die Bereitstellung von risikoreicherem Kapital zu entschädigen. Das von ihnen bereitgestellte Kapital wird als risikoreich bezeichnet, weil Verluste in schlechten Geschäftsjahren auf ihre Kosten gehen und sie im Konkursfall als Letzte noch Geld erhalten (wobei meistens nichts mehr übrig bleibt). Die Entschädigung erfolgt (bei einer Aktiengesellschaft) in Form von Dividenden. Alternativ kann der Gewinn (oder ein Teil davon) einbehalten werden. Der einbehaltene Gewinn kann als Reserve dienen für Jahre mit Verlusten oder um die Abhängigkeit von Fremdkapitalgeber*innen zu reduzieren. Dadurch nimmt der Wert des Unternehmens zu, wovon die Eigenkapitalgeber*innen als Eigentümer*innen profitieren. Die Eigenkapitalgeber*innen profitieren also in jedem Fall vom Gewinn, egal ob dieser ausgeschüttet oder einbehalten wird. Der einzige Unterschied liegt darin, ob ihnen dieser sofort zur Verfügung steht (Auszahlung einer Dividende) oder im Unternehmen gebunden bleibt (Einbehaltung des Gewinns). Der in Aussicht stehende Gewinn stellt für die Eigentümer*innen den Anreiz dar, ein Unternehmen zu gründen und zu betreiben. Ansonsten würden sie ihr Kapital anderweitig investieren.

      2.3.3 Effizienz und Effektivität als Grundhaltung

      Damit ein Unternehmen einen Gewinn erzielen kann, gibt es verschiedene Stellschrauben. Es kann entweder bei den Inputfaktoren und dem Output ansetzen oder im Prozess. Das Unternehmen kann versuchen, die Vorleistungen (Input) möglichst günstig zu erwerben. Ausserdem kann das Unternehmen versuchen, die Zahlungsbereitschaft der Kund*innen möglichst abzuschöpfen oder die Zahlungsbereitschaft der Kund*innen zu erhöhen, indem der Nutzen, welchen die Kund*innen dem Gut (Output) beimessen, gesteigert wird. Bei beidem erhöht sich der Verkaufserlös. Zudem kann das Unternehmen beim Prozess ansetzen, indem es diesen möglichst optimal gestaltet.

      Die zur Erstellung der Güter durch das Unternehmen eingesetzten Produktionsfaktoren sind begrenzt vorhanden (Knappheitsproblem) und haben dadurch einen Preis. Mit 2000 g Carbon kann entweder ein Fahrrad oder ein Formel-1-Kotflügel hergestellt werden. Daher ist das Unternehmen bestrebt, die Produktionsfaktoren möglichst effizient einzusetzen. Dabei handelt ein Unternehmen nach dem ökonomischen Prinzip (auch Wirtschaftlichkeitsprinzip genannt). Effizienz ist also ein Mass für die Wirtschaftlichkeit respektive das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Im Grundsatz geht es darum, die Kosten für die Produktionsfaktoren möglichst gering zu halten oder mit den Produktionsfaktoren einen möglichst hohen Nutzen respektive Verkaufserlös zu erzielen. Es geht also darum, das Verhältnis zwischen dem Mitteleinsatz und dem Ergebnis möglichst optimal zu gestalten. Das ökonomische Prinzip hat zwei Ausprägungen:

      Prinzip Minimumprinzip
      (Sparsamkeitsprinzip)
      Maximumprinzip
      (Ergiebigkeitsprinzip)
      Erläuterung Einen bestimmten Output an Gütern (Ergebnis, Nutzen) mit einem geringstmöglichen Input an Produktionsfaktoren (Mitteleinsatz, Aufwand) erwirtschaften. Mit einem gegebenen Input an Produktionsfaktoren (Mitteleinsatz, Aufwand) den grösstmöglichen Output an Gütern (Ergebnis, Nutzen) erwirtschaften.
      Beispiel

      Das Fahrradunternehmen versucht, für die Herstellung von 100 Fahrrädern (Output) möglichst wenig Carbon (Rohmaterial) zu verbrauchen.

      Das Fahrradunternehmen versucht, die 100 Fahrräder (Output) mit möglichst wenig Maschinen (materielle Betriebsmittel) herzustellen.

      Das Fahrradunternehmen versucht, die 100 Fahrräder mit möglichst wenigen Mitarbeitenden (ausführende Arbeiten) herzustellen.

      Das Fahrradunternehmen versucht, mit einer bestimmten Menge an Carbon (Rohmaterial) möglichst viele Fahrräder (Output) herzustellen.

      Das Fahrradunternehmen versucht, mit den vorhandenen Maschinen (materielle Betriebsmittel) möglichst viele Fahrräder (Output) herzustellen.

      Das Fahrradunternehmen versucht, mit den vorhandenen Mitarbeitenden (ausführende Arbeiten) möglichst viele Fahrräder (Output) herzustellen.

      Tabelle 2.8: Ökonomisches Prinzip

      Die Anwendung des ökonomischen Prinzips ist übrigens nicht Unternehmen vorbehalten. Es lässt sich auf andere Sachverhalte analog anwenden. Auch Privatpersonen können danach handeln, z.B. indem sie in möglichst kurzer Zeit durch das Lesen dieses Kapitels einen bestimmten Wissensstand erzielen wollen (Minimumprinzip) oder durch fünf Stunden Lesen einen möglichst hohen Wissensstand erreichen wollen (Maximumprinzip).

      Vom Begriff der Effizienz gilt es die Effektivität zu unterscheiden. Effektivität bedeutet so viel wie Wirksamkeit respektive Eignung einer Massnahme hinsichtlich der Erreichung eines angestrebten Ziels respektive Outputs.

      Beispiel Fahrradunternehmen – Effektivität und Effizienz

      Das Fahrradunternehmen CycMa hat sich zum Ziel gesetzt, den Absatz von Gravel-Bikes um 10 % gegenüber dem Vorjahr zu steigern (Ziel). Hierzu wird eine Flyer-Aktion in der Stadt lanciert (Massnahme). In der Folge konnte keine Absatzsteigerung festgestellt werden, weshalb die Flyer-Aktion als nicht effektiv zu bezeichnen ist.

      Als neue Massnahme bewirbt das Unternehmen seine Gravel-Bikes mit einer Standaktion an einem Gravel-Bike-Wettkampf und hat hierfür die entsprechenden Standgebühren zu entrichten. In der Folge konnte der Absatz um 10 % gesteigert werden, weshalb diese Massnahme als effektiv zu bezeichnen ist.

      Ob die Massnahme allerdings effizient war, lässt sich nur durch einen Vergleich beurteilen. Wenn der durch den zusätzlichen Absatz erzielte Gewinn (Nutzen) grösser ausfällt als die Kosten für die Standaktion, kann die Massnahme erstmal als effizient bezeichnet werden. Dies ist jedoch nicht mehr der Fall, wenn dieselbe Absatzsteigerung (Nutzen) mit einer günstigeren Massnahme (z.B. mit einer Briefaktion alle bestehenden Kund*innen, die in den letzten drei Jahren ein Mountain-Bike gekauft haben, persönlich anschreiben) hätte erzielt werden können (siehe auch Minimumprinzip in Tabelle 2.8: Ökonomisches Prinzip).

      02 Kapiteltext
      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      2.4 Von Bedürfnissen und Produktionsfaktoren zu Gütern auf einem Markt

      Die mit genügend Kaufkraft ausgestatteten Bedürfnisse führen zu einer Nachfrage auf dem Markt. Es gehört zur Aufgabe von Unternehmen, diese Bedürfnisse zu erkennen und auf diese Nachfrage zu reagieren. Dies geschieht, indem sich das Unternehmen überlegt, mit welchen Gütern diese Bedürfnisse am besten befriedigt werden können. Es geht also nicht darum, welche Güter das Unternehmen selbst gerne herstellen würde oder selbst gut herstellen könnte, sondern um die strikte Orientierung an den Bedürfnissen der Kund*innen. Für die Herstellung dieser passenden Güter bilden die knappen Produktionsfaktoren die Voraussetzung. Diese Produktionsfaktoren werden durch verschiedene Prozesse zu einem Gut transformiert. Dieser Transformationsprozess geschieht in möglichst effizienter Art und Weise. Das Resultat aus diesem Transformationsprozess sind wirtschaftliche Güter, welche den Kund*innen auf dem Markt angeboten werden. Durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bildet sich ein Preis für die wirtschaftlichen Güter. Je nach Höhe dieses Preises und in Abhängigkeit von den Herstellkosten treten weitere Unternehmen in den Markt ein oder steigen aus. Wirtschaften bedeutet also im Kern die Herstellung wirtschaftlicher Güter nach dem ökonomischen Prinzip, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.

      Abbildung 2.4: Von Bedürfnissen und Produktionsfaktoren zu Gütern auf einem Markt
      02 Kapiteltext
      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      2.5 Wirtschaftsakteure

      Am Wirtschaftsprozess sind verschiedene Akteure beteiligt, welche bisher schon an der einen oder anderen Stelle genannt wurden. Nachfolgend sollen die Wirtschaftsakteure in systematischer Weise beleuchtet werden.

      Private Haushalte sind konsumorientierte Wirtschaftsakteure. Sie gebrauchen und verbrauchen Konsumgüter und nehmen Dienstleistungen in Anspruch, welche sie von Unternehmen beziehen. Sie erstellen auch Konsumgüter (z.B. für sich selbst einen Kuchen backen) oder erbringen Dienstleistungen (z.B. Reparatur des eigenen Fahrrads), jedoch nur für den nicht kommerziellen Eigenbedarf. Die privaten Haushalte können als Ein- oder Mehrpersonenhaushalte in Erscheinung treten. Auslöser für ihren Güterkonsum bilden die Individualbedürfnisse (siehe  Tabelle 2.3: Kategorisierung von Bedürfnissen nach deren Trägern). Die privaten Haushalte spielen für Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen eine essenzielle Rolle.

      • In der Rolle als Kund*innen fragen sie Güter des Unternehmens auf dem Gütermarkt nach. Hierfür benötigen sie Kaufkraft, welche sie über die Bereitstellung der Produktionsfaktoren als Mitarbeitende und Kapitalgeber*innen erzielen. Was ein Unternehmen tun muss, um bei den Kund*innen eine Nachfrage auszulösen, wird in den Kapiteln 19-26 beleuchtet.
      • In der Rolle als Mitarbeitende stellen sie dem Unternehmen ihre Arbeitskraft für leitende oder ausführende Arbeiten (siehe Abbildung 2.2: Betriebswirtschaftliche Produktionsfaktoren) auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Hierfür erhalten sie einen Lohn respektive ein Arbeitseinkommen. Diesen Lohn können sie entweder für den Konsum ausgeben (d.h. Güter kaufen) oder sie können damit Ersparnisse bilden (d.h. Kapital anlegen). Das Thema Mitarbeitende wird in den Kapiteln 32-36 zum Human Resource Management und Leadership vertieft.
      • In der Rolle als Kapitalgeber*innen stellen sie dem Unternehmen direkt oder indirekt (via einer Bank) ihr Kapital auf dem Kapitalmarkt zur Verfügung. Dieses Kapital benötigt das Unternehmen für die Finanzierung der Betriebsmittel/Investitionsgüter und zur Überbrückungsfinanzierung der Werkstoffe, da die Lieferant*innen meist zuerst bezahlt werden müssen, bevor die Kund*innen für die später bereitstehenden Güter bezahlen. Das Thema Investitionen und Finanzierung wird im Kapitel 31 vertieft behandelt.
      • Darüber hinaus können die privaten Haushalte auch die Rolle als Bürger*innen einnehmen und bei der Festlegung der Rahmenbedingungen (z.B. Vorschriften, Gewinnsteuersätze, Infrastrukturbereitstellung) durch den Staat mitwirken.

      Abbildung 2.5: Wirtschaftsakteure (in Anlehnung an den einfachen Wirtschaftskreislauf)

      Der Staat (Gemeinde, Kanton, Bund) kann neben der Festlegung der Rahmenbedingungen noch weitere Rollen einnehmen. Als sogenannter öffentlicher Haushalt tritt der Staat in Erscheinung, wenn er zur Befriedigung von Kollektivbedürfnissen (siehe  Tabelle 2.3: Kategorisierung von Bedürfnissen nach deren Trägern) Güter bei Unternehmen nachfragt und somit als Kunde auftritt (z.B. eine öffentliche Strasse durch ein Bauunternehmen bauen lässt).

      Im Gegensatz zu Haushalten sind Unternehmen produktionsorientierte Wirtschaftsakteure. Die von ihnen erstellen Güter dienen dem Fremdbedarf. Wie bei den Haushalten gibt es private und öffentliche Unternehmen. Der Staat kann also nicht nur Güter nachfragen und Rahmenbedingungen setzen, sondern durch seine öffentlichen Betriebe auch Güter selbst herstellen (z.B. Pflege der Stadtgärten durch das Gemeindewerk).

      02 Kapiteltext
      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      2.6 Unternehmensarten

      Bisher wurde vom Wirtschaftsakteur «Unternehmen» gesprochen. Ein solche generalisierende Bezeichnung wird den vielgestaltigen Erscheinungsformen von Unternehmen jedoch nicht gerecht. Verschiedene Kriterien helfen, die Unternehmen in überschaubare Kategorien einzuteilen.

      2.6.1 Kategorisierung nach Eigentumsverhältnissen

      Unternehmen können im Eigentum von Privaten oder des Staates liegen. Die Eigentumsverhältnisse sind deshalb von Bedeutung, weil die Eigentümerschaft die Entscheidungen z.B. über die strategische Ausrichtung des Unternehmens trifft. Zudem steht der aus der unternehmerischen Tätigkeit allenfalls resultierende Gewinn den Eigentümer*innen zu.

      Unternehmensbezeichnung Eigentümer*innen Beispiel
      Privatunternehmen Private Personen oder andere Privatunternehmen Schindler, Bühler, AXA
      Staatliche/öffentliche Unternehmen Bund, Kanton oder Gemeinde Schweizerische Post, Zürcher Kantonalbank, Schweizer Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Schweizerische Bundesbahnen (SBB), Skyguide
      Gemischtwirtschaftliche Unternehmen Private und Staat Swisscom, Schweizerische Nationalbank
      Tabelle 2.9: Kategorisierung von Unternehmen nach Eigentumsverhältnissen

      2.6.2 Kategorisierung nach Wirtschaftssektoren und Branchen

      Einen Anknüpfungspunkt für eine weitere Unterscheidung bildet die Art der erstellten Güter (siehe Abbildung 2.1: Kategorisierung von Gütern). Unternehmen, welche materielle Güter herstellen, werden unter dem Begriff Sachleistungsunternehmen zusammengefasst. Demgegenüber werden Unternehmen, welche immaterielle Güter erstellen, als Dienstleistungsunternehmen bezeichnet. Innerhalb der Sachleistungsunternehmen können sogenannte Gewinnungsunternehmen und Verarbeitungsunternehmen unterschieden werden. Fourastié (1989) unterteilte die Wirtschaft eines Landes in einen primären, sekundären und tertiären Sektor. Die einzelnen Wirtschaftssektoren können zudem weiter in Wirtschaftszweige (= Branchen) unterteilt werden.

      Wirtschaftssektor Erläuterung Branchen (= Wirtschaftszweige)
      Erster oder primärer Gewinnungsunternehmen fördern knappe Güter aus der Natur (z.B. Fischfang).
      • Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
      • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
      Zweiter oder sekundärer Verarbeitungsunternehmen bereiten die im primären Sektor gewonnenen Rohstoffe auf (z.B. Sezierung des Fisches) und verarbeiten diese in weiteren Schritten zu Endprodukten (z.B. Fischstäbchen).
      • Verarbeitendes Gewerbe
      • Energieversorgung
      • Wasserversorgung
      • Baugewerbe
      Dritter oder tertiärer Dienstleistungsunternehmen verteilen die im ersten Sektor gewonnenen und im zweiten Sektor zu Gütern verarbeiteten Rohstoffe (z.B. Transport der Fischstäbchen durch Logistiker und Verkauf im Detailhandel). Zu diesem Sektor werden zudem alle weiteren Dienstleistungen gezählt.
      • Handel und Reparatur
      • Verkehr und Lagerei
      • Gastgewerbe
      • Information und Kommunikation
      • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
      • Grundstück und Wohnungswesen
      • Erziehung und Unterricht
      • Gesundheits- und Sozialwesen
      • …
      Tabelle 2.10: Kategorisierung von Unternehmen nach Wirtschaftssektoren und Branchen (Quelle: BFS, https://www.kubb-tool.bfs.admin.ch/de, etwas gekürzt und vereinfacht durch D. Steingruber)

      Beispiel Fahrradunternehmen – Wirtschaftssektoren

      Das Fahrradunternehmen CycMa kann sowohl dem zweiten als auch dem dritten Wirtschaftssektor zugeordnet werden. Durch die Herstellung von Aluminiumrahmen und die Montage der Fahrräder gehört es zum zweiten Wirtschaftssektor und zur Branche des verarbeitenden Gewerbes. Durch den Verkauf der Fahrräder und deren Reparatur sowie der Fahrtechnikkurse gehört es auch zum dritten Wirtschaftssektor.

      Der Lieferant, von dem das Fahrradunternehmen das Aluminium bezieht, ist ebenfalls im zweiten Wirtschaftssektor und in der Branche des verarbeitenden Gewerbes tätig.

      Dessen Lieferant, welcher das Aluminium respektive dessen Bestandteile aus der Natur gewinnt, ist im ersten Wirtschaftssektor tätig.

      2.6.3 Kategorisierung nach Grösse

      Eine weitere Möglichkeit zur Gliederung von Unternehmen bietet deren Grösse. Anhand der Grössenklassen können die Unternehmen nach Bedeutung eingeteilt werden. Hierfür werden durch das Bundesamt für Statistik die Anzahl an Beschäftigten und die Höhe des Jahresumsatzes verwendet. Alternative Grössen wären beispielsweise bei einem Möbelgeschäft die Verkaufsfläche oder die Anzahl der Filialen, bei einer Versicherung das Prämienvolumen oder bei einem Elektrizitätsunternehmen die Stromproduktionskapazität.

      Grösse
      Kriterien
      Mitarbeitendenzahl Jahresumsatz
      (in Mio. EUR)
      oder Jahresbilanzsumme
      (in Mio. EUR)
      KMU Kleinstunternehmen < 10 ≤ 2   ≤ 2
      Kleine Unternehmen < 50 ≤ 10   ≤ 10
      Mittlere Unternehmen < 250 ≤ 50   ≤ 43
      Grossunternehmen ≥ 250 > 50   > 43
      Tabelle 2.11: Kategorisierung von Unternehmen nach deren Grösse (Quelle: BFS, 2021; Europäische Kommission, 2006, S. 14.)

      Kleinstunternehmen, kleine Unternehmen und mittlere Unternehmen werden unter der Bezeichnung KMU zusammengefasst. Die Unterscheidung ist von Bedeutung, weil Grossunternehmen oftmals Grössenvorteile haben (z.B. geringere Herstellkosten wegen höherer Stückzahl), KMU aber dank den kürzeren Entscheidungswegen schneller Anpassungen vornehmen können.

      2.6.4 Kategorisierung nach Rechtsform

      Die Rechtsform, welche von einem Unternehmen bei der Gründung (ein Wechsel zu einem späteren Zeitpunkt ist möglich) gewählt wurde, regelt die Rechtsbeziehung vom Unternehmen gegen aussen und gegen innen. Wesentlich sind beispielsweise die Anzahl der Eigentümer*innen, das von ihnen einzuschiessende Kapital, die Haftung bei Überschuldung des Unternehmens und die Namensgebung. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der wichtigsten Rechtsformen und deren wichtigste Merkmale.

      Rechtsform / Merkmale Einzelunternehmung Kollektiv-gesellschaft Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Aktiengesellschaft (AG) Genossenschaft
      Anzahl
      Eigentümer*innen
      Genau eine natürliche Person Mind. zwei natürliche (keine juristischen) Personen Mind. eine natürliche oder juristische Person Mind. eine natürliche oder juristische Person Mind. sieben Personen bei Gründung
      Mitarbeit der Eigentümer*innen Ja Ja Ja, üblich Nicht zwingend Eher nicht
      Kapitaleinzahlung durch Eigentümer*innen Keine Vorgabe Keine Vorgabe Mind. CHF 20'000 Mind. CHF 100'000, davon mind. CHF 50'000 einbezahlt Keine Vorgabe
      Haftung für Geschäftsschulden Unbeschränkt mit Privatvermögen Unbeschränkt und solidarisch mit Privatvermögen Ausschliesslich Gesellschaftsvermögen Ausschliesslich Gesellschaftsvermögen Ausschliesslich Genossenschaftsvermögen
      Name des Unternehmens (Firma) Mind. Familienname des Einzelunternehmers Mind. Familienname mind. eines Gesellschafters mit Zusatz Co. Frei wählbar mit Zusatz «GmbH» Frei wählbar mit Zusatz «AG» Frei wählbar mit Zusatz «Genossenschaft»
      Tabelle 2.12: Kategorisierung von Unternehmen nach deren Rechtsform

      2.6.5 Kategorisierung nach Märkten

      Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit von Unternehmen besteht anhand der Märkte, auf denen sie tätig sind. Ein Unternehmen kann

      • in verschiedenen Ländern tätig sein (internationales Unternehmen).
      • nur innerhalb eines Landes mehrere Produktions-/Vertriebsstätten haben (nationales Unternehmen).
      • innerhalb eines Landes nur in einer Region mehrere Produktions-/Vertriebsstätten haben (regionales Unternehmen).
      • innerhalb einer Region nur in einer Gemeinde eine Produktions-/Vertriebsstätte haben (lokales Unternehmen).
      02 Kapiteltext
      02 Betriebswirtschaftliche Grundlagen
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      02 Verwendete Literatur

      Heinen, E. (1983). Betriebswirtschaftliche Kostenlehre, Kostentheorie und Kostenentscheidungen. 6. Auflage. Wiesbaden: Springer.

      Europäische Kommission (2006). Die neue KMU-Definition. Benutzerhandbuch und Mustererklärung. Abgerufen von https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/10abc892-251c-4d41-aa2b-7fe1ad83818c/language-de.

      Fourastié, J. (1989). Le Grand Espoir du XXe siècle. Progrès technique, progrès économique, progrès social. Paris: Presses Universitaires de France.

      Gutenberg, E. (1983). Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre – Band 1. Die Produktion. 5. Auflage. Berlin: Springer.

      Luhmann, N. (2005): Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme. 7. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

      Maslow, A. H. (1943). A theory of human motivation. Psychological Review, 50(4), S. 370–396. DOI.10.1037/h0054346.


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